Vortrag bei der Jakob-Kern-Akademie 2026: KI, Verantwortung und Landesverteidigung

Ethische Verantwortung, Künstliche Intelligenz (KI) und Gewissenskonflikte im militärischen Kontext standen im Mittelpunkt der Jakob-Kern-Akademie im Oktober 2026 in der Schwarzenbergkaserne in Salzburg. Unter dem Leitthema „KI in der modernen Kriegführung – Ableitungen für uns Soldat:innen“ widmete sich die vom Arbeitskreis katholischer Soldaten (AKS) organisierte Veranstaltung den technologischen, strategischen und ethischen Herausforderungen, die sich aus dem zunehmenden Einsatz von KI im militärischen Bereich ergeben. Das große Interesse spiegelte sich auch in der außergewöhnlich hohen Nachfrage wider: Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Mit dabei war sowohl der Generalvikar der Militärdiözese der Republik Österreich, Mag. Andreas Guganeder, sowie der Militärkommandant von Salzburg, Oberst Mag. Peter Schinnerl.

Im Rahmen der Akademie hielt Marlon Possard einen Vortrag zum Thema „Menschsein zwischen Verantwortung und Landesverteidigung“. Im Zentrum seiner Ausführungen stand die Frage, welche Bedeutung ethische Grundsätze und menschliche Verantwortung in einer Zeit gewinnen, in der KI militärische Entscheidungsprozesse zunehmend beeinflusst und neue Möglichkeiten der modernen Kriegführung eröffnet. Der Einsatz von KI-Systemen im militärischen Kontext wirft nämlich auch grundlegende Fragen auf, die weit über technische Leistungsfähigkeit und strategische Effizienz hinausgehen. Wo Entscheidungen immer stärker durch automatisierte Systeme vorbereitet, unterstützt oder beeinflusst werden, stellt sich umso dringlicher die Frage, wer Verantwortung trägt, wie menschliches Urteilsvermögen erhalten bleibt und welche Grenzen auch unter außergewöhnlichen sicherheitspolitischen Bedingungen gelten müssen.

Possard beleuchtete in seinem Vortrag speziell die ethischen Dimensionen der Landesverteidigung. Dabei ging es nicht allein um abstrakte Prinzipien, sondern um die konkrete Verantwortung von Soldat:innen, die in ihrem Dienst mit schwierigen Entscheidungen, persönlichen Belastungen und mitunter tiefgreifenden Gewissenskonflikten konfrontiert sind. Vor allem in Situationen, in denen militärischer Auftrag, persönliche Überzeugungen und moralische Verpflichtungen miteinander in Spannung geraten, wird deutlich, dass verantwortungsvolles Handeln mehr erfordert als die Befolgung von Vorgaben oder die Anwendung technischer Systeme.

Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit zur Diskussion – mit Erzdekan Dr. Harald Tripp, LL.M., MA (Militärdiözese der Republik Österreich) und Marlon Possard – betreffend die aufgeworfenen Fragestellungen. Der anschließende Austausch mit Soldat:innen bot Raum, die ethischen Herausforderungen moderner Kriegführung aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und die Bedeutung von Gewissen, Verantwortung und menschlicher Urteilskraft im militärischen Alltag weiter zu vertiefen. (Bildcredit: AKS/ÖBH)

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