Kurier TV Talk: „Wir dürfen uns von KI nicht ersetzen lassen“ – Marlon Possard über die KI-Zukunft

Marlon Possard war als Hochschullehrer und Wissenschaftler im März 2026 zu Gast im Kurier TV Talk bei Journalist Marcel Schachinger. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand sein neues Buch MORALgorithmus (Urban Future Edition, 2025) sowie die Frage, welche Chancen und Risiken mit der rasanten Entwicklung der KI verbunden sind.

Im Gespräch wurde deutlich: KI ist längst nicht mehr nur ein technisches Zukunftsthema. Sie prägt bereits heute viele Bereiche unseres Lebens – von Wirtschaft und Medien über Verwaltung bis hin zur Wissenschaft. Possard betonte, dass die gesellschaftliche Debatte über KI daher gesamtgesellschaftlich dringend intensiviert werden müsse.

Ein zentrales Anliegen seines Buches „MORALgorithmus“ ist die Verbindung von Technologie und Ethik sowie die Frage, welche Rolle der Mensch in einer zunehmend automatisierten Welt einnimmt. Da Algorithmen immer häufiger Entscheidungen treffen, die direkte Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben, wird die Frage nach ihren moralischen Grundlagen immer drängender. Possard zeigt dabei auf, dass der Mensch trotz aller technologischen Fortschritte in vielen Bereichen unersetzbar bleibt. Die Gesellschaft müsse sich aber auch intensiver damit auseinandersetzen, nach welchen ethischen Prinzipien diese Systeme entwickelt und eingesetzt werden sollen. „Technologie entwickelt sich rasant, aber die ethischen Leitplanken müssen schon wir bewusst setzen“, erklärte Possard im Gespräch. Als Jurist und Philosoph plädiert er dafür, die Entwicklung von KI nicht ausschließlich technisch oder wirtschaftlich zu betrachten, sondern interdisziplinär zu denken. Blindes Vertrauen in KI-Systeme ohne kritische Reflexion kann ebenso gefährlich sein, so Possard.

Gleichzeitig sieht Possard große Chancen in der Technologie. Richtig eingesetzt könne KI dabei helfen, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen (etwa in der medizinischen Forschung, im Bildungsbereich oder bei globalen Zukunftsfragen). Mit seinem Buch „MORALgorithmus“ möchte Possard einen wichtigen populärwissenschaftlichen Impuls für die Diskussion rund um KI schaffen und lädt dazu ein, die Zukunft der KI nicht nur technisch, sondern auch ethisch zu gestalten. Possard abschließend: „Das Buch ist keine Programmatik oder gar etwas, das KI nur als ein Horrorszenario beschreibt. Im Gegenteil: Das Buch möchte anregen, über die wichtigen Fragen des Menschseins in einer Welt rasanter technologischer Entwicklungen nachzudenken. Am Ende geht es um die Frage: Was macht uns im KI-Zeitalter überhaupt noch einzigartig? (Bildcredit: Kurier TV)

Über Juristerei, KI und Philosophie – ein Blick hinter die Kulissen mit Marlon Possard

Im April 2026 war Marlon Possard zu Gast im Podcast „Nerds of Law“ (NoL), moderiert von RA Mag. Michael Lanzinger und RAin Mag.a Katharina Bisset, MSc. In einem spannenden und zugleich hochaktuellen Gespräch widmete sich die Runde einer Frage, die die Rechtswelt zunehmend prägt: Wie verändert die Digitalisierung nicht nur die Praxis der Juristerei, sondern auch ihre ethischen Grundlagen?

Schon zu Beginn wurde deutlich, dass es längst nicht mehr nur um neue Tools oder effizientere Abläufe geht. Vielmehr steht die gesamte Rechtsordnung vor einem Wandel. Themen wie Künstliche Intelligenz (KI), automatisierte Entscheidungsprozesse und der Umgang mit sensiblen Daten werfen grundlegende Fragen auf: Wo endet technische Unterstützung und wo beginnt die Verantwortung des Menschen? Und kann Ethik überhaupt „programmiert“ werden?

Possard brachte dabei eine besonders reflektierte Perspektive ein. Er sprach über die zunehmende Verschiebung juristischer Tätigkeiten in den digitalen Raum und die damit verbundene Gefahr, dass Entscheidungen entpersonalisiert werden. Gerade im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Gerechtigkeit brauche es klare Leitlinien – nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der Rolle von Jurist:innen in dieser neuen Realität. Die klassische Rechtsberatung verändert sich: Mandant:innen erwarten schnelle und datenbasierte Einschätzungen, während gleichzeitig die Komplexität der Fälle steigt.

Besonders spannend war die Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich ethische Standards im digitalen Kontext sichern lassen. Reicht es, bestehende Prinzipien einfach auf neue Technologien anzuwenden? Oder braucht es ein völlig neues Verständnis von Verantwortung im Recht? Die Gesprächspartner:innen waren sich einig: Die Zukunft der Juristerei wird maßgeblich davon abhängen, wie gut es gelingt, Innovation und Ethik in Einklang zu bringen.

Der Podcast liefert damit nicht nur Einblicke in aktuelle Entwicklungen, sondern regt auch zum Nachdenken an. Für Jurist:innen, Technikinteressierte und alle, die sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung beschäftigen, ist diese Folge ein klarer Hör-Tipp. (Bildcredit: NoL/Lehner)

Marlon Possard zum Hochschulrat bestellt

Mit Wirkung vom 1. April 2026 wurde Marlon Possard nach Durchführung eines Nominierungsverfahrens (Zuordnungsbereich Universitäten) vom Bundesminister für Bildung der Republik Österreich gemäß § 12 Hochschulgesetz (HG) für eine Funktionsperiode von fünf Jahren in den Hochschulrat der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland (PPH) bestellt.

Der Hochschulrat zählt zu den zentralen strategischen Leitungsorganen im österreichischen Hochschulsystem. Er wirkt maßgeblich an der strategischen Ausrichtung der Hochschule mit, genehmigt zentrale Entwicklungspläne und übt die Aufsicht über wirtschaftliche sowie organisatorische Angelegenheiten aus, darunter auch die Bestellung der Mitglieder des Rektorats. Zugleich fungiert er als Schnittstelle zwischen Hochschule, Gesellschaft und Politik und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung von Qualität, Transparenz und nachhaltiger Entwicklung. Marlon Possard wird in dieser Funktion die Weiterentwicklung der Hochschule aktiv mitgestalten und gezielte Impulse für Innovation, Qualitätssicherung und zukunftsorientierte Strategien setzen. (Bildcredit: Private Pädagogische Hochschule Burgenland)

Neues Zertifikatsprogramm für verantwortungsvolle Unternehmensführung

Programm „Ethik für die Wirtschaft & Unternehmensführung – Trained in Business Ethics“ startet im Herbst 2026 | Leitung des Zertifikatsprogramms: Dr. Marlon Possard

Mit einem neuen Zertifikatsprogramm starten die Akademie „incite“ des Fachverbandes Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Campus Wien Academy (CWA), die Hochschule Campus Wien (HCW) sowie „proEthikAUSTRIA“ eine gemeinsame Weiterbildung für verantwortungsvolle Unternehmensführung mit Fokus auf Ethik und Künstliche Intelligenz (KI). Das Zertifikatsprogramm richtet sich an Unternehmer:innen, Führungskräfte sowie Berater:innen und vermittelt praxisorientierte Kompetenzen im Bereich Business Ethics. Die akademische Leitung des Zertifikatsprogramms obliegt dabei Marlon Possard.

Das Zertifikatsprogramm ist modular aufgebaut, die einzelnen Micro-Credentials oder Module können auch separat absolviert werden. Teilnehmer:innen aller Module erhalten ein europaweit gültiges Micro-Credential-Zertifikat. Das Zertifikatsprogramm „Ethik für die Wirtschaft & Unternehmensführung – Trained in Business Ethics“ startet am 1. Oktober 2026 in Wien. Weitere Informationen finden Sie HIER. (Bildcredit: Rajcsanyi-Buchtova/WKÖ)

Multilateralismus in der Krise – Im Gespräch mit Marlon Possard

Der Multilateralismus – und somit das Völkerrecht – steht zunehmend unter Druck und damit auch eines der zentralen Fundamente der internationalen Ordnung. Vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und einer sich verschärfenden Systemkonkurrenz geraten etablierte Formen internationaler Zusammenarbeit spürbar ins Wanken. Die Frage, wie tragfähig multilaterale Strukturen heute noch sind und welche Perspektiven sich für ihre Weiterentwicklung ergeben, steht daher mehr denn je im Fokus politischer und wissenschaftlicher Debatten.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für internationale Politik („International“ / Heft 1/2026 / März 2026) widmet sich ein ausführliches Interview mit Marlon Possard genau diesen Entwicklungen. Im Gespräch analysiert Bernhard Müller die Ursachen und Dynamiken der gegenwärtigen Krise des Multilateralismus und ordnet sie in den Kontext globaler Machtverschiebungen ein. Dabei wird deutlich, dass speziell die zunehmende Fragmentierung der internationalen Ordnung, der wachsende Einfluss nationalstaatlicher Interessen sowie die eingeschränkte Handlungsfähigkeit internationaler Organisationen zentrale Herausforderungen darstellen.

Zugleich zeigt das Interview differenziert auf, dass es sich weniger um ein Ende als vielmehr um eine Phase tiefgreifender Transformation handelt. Neue und flexiblere Kooperationsformate entstehen parallel zu bestehenden Institutionen und verändern die Logik internationaler Zusammenarbeit nachhaltig. Diese Entwicklungen eröffnen sowohl Chancen für effizientere Abstimmungsprozesse als auch Risiken einer weiteren politischen und institutionellen Zersplitterung. Das Gespräch liefert damit nicht nur eine fundierte Analyse der aktuellen Lage, sondern auch wichtige Impulse für die Frage, wie multilaterale Strukturen künftig gestaltet werden können, um globalen Herausforderungen weiterhin wirksam zu begegnen.

Der Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe von „International“ nachzulesen und richtet sich an alle, die sich vertieft mit Fragen internationaler Politik auseinandersetzen möchten. HIER gelangen Sie zum vollständigen Interview. (Bildcredit: Zeitschrift für internationale Politik)

Behördenkontakte mit „Staatsverweiger:innen“: Erste systematische Erhebung in Österreich

Wie häufig haben österreichische Behörden Kontakt mit sogenannten „Staatsverweiger:innen“, „Reichsbürger:innen“ oder „Selbstverwalter:innen“? In welchen Situationen treten solche Kontakte auf, und welche Herausforderungen ergeben sich daraus für Polizei und öffentliche Verwaltung? Diesen Fragen widmet sich eine österreichweite Erhebung, die erstmals systematisch die Erfahrungen von Behörden mit diesen Phänomenen untersucht.

Die Studie wurde von Marlon Possard (Forschungsprojektleiter) und Sonja Bleichert (wissenschaftliche Projektmitarbeiterin) zwischen August und Dezember 2025 unter Einsatz qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im März 2026 veröffentlicht. Die Untersuchung stellt die erste Erhebung dieser Art in Österreich dar und liefert erstmals empirische Daten sowie systematische Einblicke in Behördenkontakte mit Personen aus dem Spektrum der „Staatsverweiger:innen“, wodurch sie zu einem besseren Verständnis der Situation in Österreich beiträgt. Ziel der Studie war es, ein fundiertes Bild darüber zu gewinnen, wie häufig und in welchen Kontexten verschiedene Behörden (z. B. Polizei, Gerichte, Staatsanwaltschaften, Gemeinden, Magistrate, Bildungsdirektionen, Ministerien) mit entsprechenden Akteur:innen konfrontiert sind.

In den vergangenen Jahren haben entsprechende ideologische Strömungen auch im deutschsprachigen Raum zunehmend Aufmerksamkeit erfahren, woraus sich für staatliche Institutionen praktische Herausforderungen ergeben (bspw. im Zusammenhang mit Verwaltungsverfahren, im Rahmen polizeilicher Maßnahmen oder im alltäglichen Behördenkontakt). Die Ergebnisse der Erhebung wurden in der Fachzeitschrift „Polizei & Wissenschaft“ veröffentlicht (Ausgabe 4/2025; Verlag für Polizeiwissenschaften). Neben der wissenschaftlichen Einordnung liefert die Studie auch praxisrelevante Erkenntnisse für Behörden und Sicherheitsinstitutionen. Speziell durch die systematische Erhebung lassen sich Herausforderungen, typische Muster von Behördenkontakten sowie mögliche Handlungsbedarfe besser identifizieren. HIER gelangen Sie zur Studie. (Bildcredit: Fachzeitschrift Polizei & Wissenschaft)

Exkursion zum Bundespräsidenten – Einblicke in die Praxis staatlicher Institutionen

Bereits seit einigen Jahren organisiert Marlon Possard als Hochschullehrer zahlreiche Exkursionen zu staatlichen Institutionen und Einrichtungen (u. a. zum Straflandesgericht, zum Österreichischen Rundfunk), um den Transfer zwischen Wissenschaft, akademischer Lehre und Praxis – speziell für Studierende – zu fördern. Auch bei der Exkursion zur österreichischen Bundespräsidentschaftskanzlei im März 2026 war das Interesse groß: Knapp 30 Studierende aus verschiedenen Studiengängen nahmen an der Exkursion teil.

Vor Ort führte die Rechtsabteilung der Präsidentschaftskanzlei durch das Haus und gewährte spannende Einblicke in die Arbeitsweise der Institution. Neben der Besichtigung der Räumlichkeiten des Amtssitzes des österreichischen Bundespräsidenten (seit 2017: Univ.-Prof. Dr. Alexander Van der Bellen) standen insbesondere die Aufgaben und verfassungsrechtlichen Funktionen des Staatsoberhaupts im Mittelpunkt der Erläuterungen. Die Studierenden erhielten dabei einen anschaulichen Eindruck davon, wie politische und administrative Prozesse im Umfeld der Präsidentschaft – insbesondere im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren – praktisch umgesetzt werden.

Die Exkursion bot damit eine hervorragende Gelegenheit, theoretische Inhalte mit praktischen Erfahrungen zu verbinden und staatliche Institutionen aus nächster Nähe kennenzulernen. Für die Studierenden war der Besuch ein besonderes Highlight – vor allem das bekannte Maria-Theresien-Zimmer, das Schlafgemach von Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) – und ein weiterer Beleg für den Mehrwert praxisnaher Einblicke in die Arbeit öffentlicher Institutionen. (Bildcredit: Präsidentschaftskanzlei).

Verstärkung im Strafrecht: Marlon Possard wird Legal Consultant bei der RA-Kanzlei Mag. Lanzinger

Ab März 2026 erweitert die RA-Kanzlei Mag. Michael Lanzinger (Wels, Oberösterreich) ihr fachliches Profil im Strafrecht: Marlon Possard konnte als Legal Consultant für die Bereiche Ethik des Strafrechts und der Strafverfolgung, Jugendstrafrecht sowie Cybercrime gewonnen werden und wird diese Fachbereiche strategisch weiterentwickeln.

Fokus auf Ethik im Strafrecht und in der Strafverfolgung

Die ethische Dimension strafrechtlicher Verfahren gewinnt zunehmend an Bedeutung. Fragen nach Verhältnismäßigkeit, rechtsstaatlichen Garantien, dem Schutz individueller Grundrechte und der Verantwortung staatlicher Strafverfolgungsbehörden stehen stärker im öffentlichen Diskurs denn je. Mit seiner Expertise als Hochschullehrer (Schwerpunkte sind u. a. Rechtsethik und Rechtsphilosophie) wird Possard insbesondere an der Schnittstelle zwischen Rechtsdogmatik, Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung tätig sein. Ziel ist es, Mandant:innen nicht nur juristisch fundiert, sondern auch unter Berücksichtigung ethischer Leitlinien zu beraten (vor allem im Rahmen von sensiblen und öffentlichkeitswirksamen Verfahren).

Spezialisierung im Jugendstrafrecht

Ein weiterer Schwerpunkt von Possard liegt im Jugendstrafrecht. Verfahren gegen junge Beschuldigte erfordern ein besonderes Maß an Sensibilität, pädagogischem Verständnis und prozessualer Präzision. Hier wird Possard Konzepte unterstützen, die auf Resozialisierung statt reiner Sanktionierung, auf einer individuellen Fallbetrachtung und auf nachhaltige rechtliche Lösungen basieren.

Kompetenzaufbau im Bereich Cybercrime

Mit der fortschreitenden Digitalisierung wächst auch die Relevanz von Cybercrime-Delikten. Von Datenmissbrauch über digitale Betrugsformen bis hin zu komplexen IT-gestützten Ermittlungsverfahren steigen sowohl die technischen als auch die rechtlichen Anforderungen kontinuierlich. Gleichzeitig rücken ethische Fragestellungen immer stärker in den Mittelpunkt: Wie weit darf staatliche Überwachung im digitalen Raum gehen? Welche Grenzen setzt der Rechtsstaat bei der Auswertung großer Datenmengen? Wie wird der Schutz der Privatsphäre gegenüber effektiver Strafverfolgung ausgewogen? Gerade im Bereich digitaler Ermittlungen treffen technische Möglichkeiten auf sensible Grundrechte. Daher wird eine verantwortungsvolle und ethisch reflektierte juristische Begleitung sukzessive unerlässlich.

Die enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis setzt damit ein deutliches Zeichen: Zeitgemäße strafrechtliche Beratung erschöpft sich nicht in dogmatischer Präzision, sondern verlangt die Fähigkeit, rechtliche Analyse mit ethischer Reflexion und technologischer Kompetenz sowie gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein zu verbinden. (Bildcredit: Pixabay)

Marlon Possard zu Gast bei Krone TV: Social-Media-Verbot & Diversion in Österreich

Im Februar 2026 war Rechts-, Verwaltungswissenschaftler und Philosoph Marlon Possard zu Gast im Krone TV-Studio bei Journalistin Jana Pasching, um über zwei hochaktuelle gesellschafts- und rechtspolitische Themen zu sprechen – nämlich über das geplante Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren in Österreich im Lichte des EU Digital Services Act (DSA) sowie die Bedeutung diversioneller Maßnahmen im österreichischen Strafrecht vor dem Hintergrund jüngster öffentlichkeitswirksamer Fälle.

Thema 1: Social-Media-Verbot unter 14 Jahren – Schutz oder Symbolpolitik?

Possard stellte klar, dass ein pauschales Verbot sozialer Medien für unter 14-Jährige zwar politisch verständlich erscheinen mag, rechtlich und ethisch jedoch differenziert betrachtet werden müsse. Rechtlich verwies er darauf, dass Jugendliche ab 14 Jahren in Österreich bereits über eine eingeschränkte Rechtsmündigkeit verfügen (ABGB). Ein generelles Verbot berühre daher Grundrechte wie Meinungs- und Informationsfreiheit und werfe Fragen der Verhältnismäßigkeit auf. Entscheidend sei, ob ein Totalverbot tatsächlich geeignet und erforderlich sei oder ob mildere Mittel zur Verfügung stehen. Ethisch betonte Possard, dass Verbote allein keine nachhaltige Lösung darstellen. Der digitale Raum sei längst Teil der sozialen Realität junger Menschen. Statt Ausgrenzung brauche es Stärkung: Medienkompetenz und klare Verantwortlichkeit der Plattformbetreiber. Ein Verbot könne kurzfristig ein Signal setzen, löse aber nicht die strukturellen Ursachen problematischer Online-Inhalte oder exzessiver Nutzung.

Thema 2: Diversionelle Maßnahmen – wirksame Alternative zum Strafurteil?

Im zweiten Teil des Gesprächs ging es um diversionelle Maßnahmen im österreichischen Strafprozessrecht, vor allem vor dem Hintergrund medial stark beachteter Fälle (z. B. bei Involvierung von Politiker:innen). Dabei wurde deutlich, dass Diversion nicht nur ein Instrument zur Verfahrensökonomie ist, sondern auch eine wichtige rechtsstaatliche Funktion erfüllt: Sie ermöglicht Verantwortungsübernahme, Schadenswiedergutmachung und eine rasche Konfliktlösung ohne langwieriges Strafverfahren.

In diesem Zusammenhang wurde von Possard angeregt, dass diversionelle Maßnahmen – insbesondere bei Amtsträger:innen und Personen des öffentlichen Lebens – verstärkt gemeinnützige Leistungen umfassen sollten. Gerade bei Personen, die besondere Verantwortung tragen oder eine Vorbildwirkung haben, könnte die Erbringung gemeinnütziger Arbeit vertrauensstärkend gegenüber Rechtsstaat und Demokratie wirken. Sichtbares Engagement zugunsten der Allgemeinheit würde zeigen, dass Verantwortung nicht nur formal, sondern auch praktisch übernommen wird. Zugleich kann ein ehrliches Eingestehen von Fehlern ein wesentlicher Bestandteil einer gelungenen Diversion sein.

Wichtig erscheint für Possard dahingehend auch, dass nicht der Eindruck eines „Einkommensprivilegs“ entsteht. Possard dazu: „Wenn Diversion im Wesentlichen auf Geldzahlungen reduziert wird, kann der Eindruck entstehen, dass finanzielle Leistungsfähigkeit über die tatsächliche Konsequenz entscheidet. Gemeinnützige Leistungen oder andere persönlich zu erbringende Beiträge würden hier einen ausgleichenden Effekt haben und verdeutlichen, dass Diversion keine Frage des Vermögens, sondern der ernsthaften Auseinandersetzung mit dem eigenen Fehlverhalten ist.“ Schließlich wurde angeregt, mehr Kreativität im Rahmen diversioneller Erledigungen seitens der Justiz zuzulassen. HIER gelangen Sie zum Pressebericht. (Bildcredit: Kronen Zeitung)

Ethik & Kommunikation in der Krisenverwaltung (Possard/Bleichert)

Im April 2026 erscheint im Springer Verlag das Fachbuch „Ethik und Kommunikation in der Krisenverwaltung in Österreich: Lehren aus Pandemie, Energiekrise, Migration und internationalen Krisen“ von Marlon Possard und Sonja Bleichert. Das Werk, das im Buchhandel und online erhältlich sein wird, beleuchtet, wie Verwaltung in Ausnahmesituationen verantwortungsvoll entscheidet und kommuniziert – zwischen Zeitdruck, öffentlicher Erwartung und ethischer Verantwortung.

Wissenschaftlich fundiert und praxisnah zeigt das Buch, warum Vertrauen, Transparenz und klare Kommunikation zentrale Erfolgsfaktoren moderner Krisenbewältigung sind – und liefert damit wichtige Impulse für nationale wie internationale Führungskräfte, Entscheidungsträger:innen und Kommunikationsverantwortliche. HIER gelangen Sie direkt zur Publikation. (Bildcredit: Springer Verlag)

Marlon Possard